motto
die große stadt
mein talismann
bringt mir glück
wenn sie mich bei sich trägt
kann mir alles passieren
Anklage
Der heit’re Schoß der Abenkühle gebahr mir heut eine Freude, so himmlisch klar, so göttlich rein! Da stach mich eine Mücke.
Ich sah sie erst, als sie schon fertig war mit ihrem Abendbrot und ließ sie fliegen. Doch war mein Glück nun bald dahin, denn bald schon spürt‘ ich dumpf das Blut dort pochen, wo das Tier gespeist.
Ach Gott! Wie flüchtig ist der Lohn für unserer langen Tage Müh‘ und Pein! Was ließest du der Krone deiner Schöpfung seltne Freude Fraß der Mücke sein?
grabspruch
aus schweren schwarzen gründen
kam ich her aus tiefer nacht
schuf mir ein tod den tag aus farbenspiel
und sternetanz und traum vom vieles-sein
und war doch immer eins wie alles
unterm wellental hinter dem saum
der worte meiner mutter grell und fahl.
Fürs Poesiealbum
Jeder, der dem Band
der Liebe Treue schwor,
verlor es irgendwann im Eifer, es zu binden.
Nur, wer der losen Lust des Augenblickes folgt,
der kann es immer wieder finden.
spielplatz
auf den spielplätzen sind die mütter jung
und alle haben dünne arme und süße kinder.
und manche laufen früh im jahr barfuß
durch den sandkastensand
und lächeln dabei.
und ich bin so seltsam alt
plötzlich. so einsam,
so getrennt
davon.
wie kam das?
wird das noch schlimmer?
wie schnell?
Song der Neuzeit
Kleine nackte hingelegte Frauen
zucken unter schwarzbehaarten Händen ihrer Gatten.
In den S-Bahn-Brücken hocken alle grauen Tauben
in den schweren dunkelgrünen Eisenschatten.
Weich noch sind die kleinen Hände wilder Söhne,
ihre abgebissnen Nägel fallen zwischen Tasten.
Von den Schirmen scheinen schmale Bilder
auf die glatten Stirnen, wo die Kinderträume hasten.
In den warmen U-Bahn-Winden tanzen leise
Taschenträger ihre letzten leisen Tänze,
und auf den verlassnen Klappen reiben schöne
alte Männer ihre langen dunklen Schwänze.
sphärenwind (1978)
auf dem großen
rathaussatteldach steht
lässig
mit gekreuzten beinen hugo
das pferd und
schlürft
mit seinen großen
nüstern sphärenwind
seht
sagen die leute
hugo
hat eine stelle
als wetterpferd
angenommen
nun wissen wir endlich
woher der wind
weht
als hugo das hört
muss er weinen
um seine großen
bunten pferdetränen
gibt es
unter den kindern
nichts als zank

